Elefantenrunde zur NRW-Wahl - so schlugen sich die Kandidaten
11 Tage vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen stiegen neben Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Herausforderin Hannelore Kraft (SPD) auch Vertreter der kleineren Parteien Andreas Pinkwart (FDP), Sylvia Löhrmann (Grüne) und Wolfgang Zimmermann (Linke) in den Ring.
Auf den Austausch der Argumente wird hier nicht eingegangen - aber so schlugen sich die Teilnehmer:
Jürgen Rüttgers gibt sich zu Anfang der Runde kampfesbereit. Er scheut sich nicht auch mal überzogene rhetorische Mittel zu benutzen und den Gegner direkt anzugehen. Im Verlauf des Streitgesprächs wirkt er dann aber etwas zerknirscht - Grund ist, dass er kaum einen Satz zu Ende reden kann, ohne von Kraft/Löhrmann oder den Moderatoren unterbrochen zu werden. Als er dies zu Recht anmerkt, kommt er wie eine beleidigte Lederwurst über den Bildschirm.
Hannelore Kraft kann sich an diesem Abend vor allem auf ihre gute Freundin Sylvia Löhrmann verlassen. Die beiden kennen sich aus der Opposition und sind ein eingespieltes Team. Darüber hinaus wirkt sie allerdings auch oft etwas hektisch und unsicher. An diesen Stellen gelingt er dann Löhrmann, die Vertreter der Regierung unter Druck zu setzen. Löhrmann ist an diesem Tag in Hochform - vor allem stimmlich: Oft ist sie einfach nur laut.
Ganz im Gegensatz zu dem Vertreter der Linken. Wolfgang Zimmermann ist vor allem der freundlichste in der Runde. Als einziger läßt er seine Mitstreiter ausreden und redet selbst nur, wenn er gefragt wird. Er will an diesem Tag vor allem beweisen, dass er regieren kann - genau dies spricht ihm Hannelore Kraft bisher ab. Etwas enttäuscht zeigt sich Zimmermann, als er trotz seiner Vorstellung am Abend weiterhin keine positiven Signale von Seiten der SPD bekommt.
Schließlich Pinkwart. Er braucht 15 Minuten um aufzutauen, dann legt er aber los. Sprachlich schöpft Pinkwart aus dem Vollen, oder wie es seine Gegnerinnen in der Runde sagen: Martialisch und Kriegsrhetorik. Seine freundliche Sing-Sang-Stimme läßt dies allerdings auf den Zuhörer gar nicht soo schlimm erscheinen, vielmehr fast schon niedlich. Trotzdem kommt Pinkwart den ganzen Abend nicht wirlich aus einer Verteitigungsrolle heraus. Dies liegt vor allem auch an seinem Koalitionspartner in Person von Rüttgers, welcher Pinkwart selten an die Seite springt, sondern vielmehr in einigen Punkten in Distanz zu FDP-Positionen geht.
Einen klaren Gewinner gibt es an diesem Abend nicht. Aber es war ein interessanter Politikabend, welcher gar unterhaltsam war.
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